Musik aus alten Fässern. So entstand der Pan-Sound der Karibik
{dropcap}D{/dropcap}ie Entwicklung der Pans ist zugleich ein Stück Karibik-Geschichte. Die britischen Kolonialherren des vergangenen Jahrhunderts hatten gegen die Musik der schwarzen Zuckerrohrarbeiter aus Afrika - fast alle waren Sklaven Vorbehalte. Priester nannten sie "heidnisch" und "primitiv", für Ordnungshüter war sie "ruhestörend" und für manchen Politiker waren Trommeln gar ein Mittel geheimer Kommunikation, mit dem sich womöglich Revolten ausrufen liessen. Immer wieder kam es zu Zwischenfällen. Trommeln wurden beschlagnahmt, die Trommler kamen ins Gefängnis. Eine Schlägerei zwischen Polizei und Trommlern kostete 12 Menschen das Leben.
{dropcap}D{/dropcap}as Verbot afrikanischer Fell- und Holz-Trommeln führte schließlich dazu, daß sich die Schwarzen nach Ersatzinstrumenten umsahen. Sie schlugen unterschiedlich dicke Bambusstäbe aneinander, und benutzten für höhere Tonlagen Flaschen und Eßlöffel. Das waren die sogenannten "Tamboo-Bamboo"-Bands. In den 30ger Jahren kamen auf Trinidad und Tobago weitere Perkussions-"Instrumente" hinzu: Keksdosen, Rohrstücke, blecherne Ascheimer und deren Deckel. Das meiste Instrumentarium stammte vom Müll.
{dropcap}D{/dropcap}er Legende zufolge gilt Winston "Spree" Simon aus Trinidad als "Vater" der pan-Musik. Er benutzte ein altes Ölfaß als dumpfe Trommel. "Eines Tages hatte ich sie verliehen", heisst es in einem alten Interview, "und als ich sie zurückbekam, war der obere Boden ziemlich eingedellt. Offenbar hatte man tüchtig zugeschlagen" Als "Spree" versuchte, den Boden von innen heraus mit einem Stein wieder herauszuklopfen, "konnte ich plötzlich vier verschiedene Töne ausmachen, je nachdem, wohin ich schlug. So konnte ich sogar eine kleine Melodie spielen". 1945 wurde auf diese Weise auf Trinidad erstmals ein Ölfaß zum Instrument umgebaut. Wegen der unterschiedlichen Töne, die man ihm entlocken konnte, nannte man es "Ping-Pong". Im Lauf der Zeit wurde die Herstellungstechnik immer mehr verfeinert, die Konstruktion der einzelnen Trommeln immer raffinierter.
{dropcap}D{/dropcap}ie Entdeckung des neuen Pan-Sound fiel mit einer durch das Ende des zweiten Weltkriegs ausgelösten Wirtschaftskrise auf Trinidad zusammen. Arbeitslose vertrieben sich die Zeit, indem sie auf den melodischen Fässern musizierten. Aber immer noch kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei - diesmal hauptsächlich, weil so viele Fässer von den Lagerplätzen der Ölgesellschaften gestohlen wurden. Auch das Trommelverbot galt noch - aber vor Gericht wurde (auf der Insel Antigua) entschieden:die Pan ist keine Trommel, sondern ein Musikinstrument. Dies war der endgültige Sieg für die Steelbands.
{dropcap}W{/dropcap}er gut spielte, genoss bald einiges Ansehen, vor allem, wenn er dazu auch sang. Von Trinidad kam die Musik in den fünfziger Jahren zuerst nach Antigua. Dort wurde die zweite Welt-Steel-Band gegründet. Bald breitete sich der pan-sound über die ganze Karibik aus. 1950 gab es auf Trinidad den ersten Wettbewerb. "Panorama" wurde das Ereignis, bei dem die Bands jährlich miteinander wetteifern. Die besten von ihnen fanden bald Sponsoren.
{dropcap}E{/dropcap}ine gute Band wird heute von manchen Sponsoren mit bis zu 250.000 Dollar pro Jahr gefördert. 100.000 Dollar sind nicht ungewöhnlich.
Die Bands haben keinen Dirigenten oder Kapellmeister, allenfalls einen "Captain". Es gibt auch keine Noten - die ohnehin kaum einer der Spieler lesen könnte. Geübt und musiziert wird nach Gehör. Der Rhytmus kommt aus dem Bauch. Doch das Repertoire ist gewaltig. Eine durchschnittlich gute Band kann sechs Stunden lang spielen ohne eine einzige Melodie zu wiederholen.





